EMDR
= Eye Movement Desensitization and Reprocessing
Was soll das denn sein? denken Sie jetzt vielleicht. Der Name scheint unaussprechlich und Sie haben vielleicht noch nie etwas davon gehört.
Ich erinnere mich gut an Zeiten, wo Yoga und Akupunktur belächelt und als Spinnerei abgetan wurden. Heute übernehmen häufig sogar gesetzliche Krankenversicherungen die Kosten dafür. Gutes setzt sich eben durch.
Ich denke, das Gleiche wird auch mit EMDR geschehen, denn EMDR ist eine Methode, die es in sich hat. Dies zeigen meine Erfahrungen in der Praxis in aller Deutlichkeit. EMDR nutzt körpereigene Selbstheilungsprozesse und ist dadurch reiner Gesprächstherapie und sogar Hypnose überlegen. Ich bin deshalb davon abgekommen, Hypnose zur Verarbeitung schmerzhafter Erfahrungen zu benutzen, EMDR ist einfacher und schneller.
Dieses neue (ca. 25 Jahre Erfahrung damit liegen vor) Verfahren wird nur allmählich in der Öffentlichkeit etwas bekannter. Dies ist bedauerlich, denn EMDR ist eine wirklich effektive und sanfte Methode um belastende Erinnerungen und Gefühle abzubauen. Vielfach noch als reine Traumatherapie-Methode angesehen, gibt es immer mehr Therapeuten, die EMDR breiter einsetzen, nämlich zum Lösen emotionaler "Knoten" im allgemeinen, bei Ängsten und Suchtdruck, aber auch beim Coaching und bei Essstörungen. Sie können unten auf dieser Seite ein Video finden, das Ihnen EMDR in Aktion zeigt.
Schwierige Erfahrungen, die wir als Kind erlebt haben, sind manchmal völlig aus der Erinnerung verdrängt oder wir bagatellisieren sie - es war ja alles gar nicht so schlimm. Da jedoch Kinder noch nicht die gleichen Ressourcen zur Verfügung haben wie Erwachsene, können sie Situationen als bedrohlich erleben, die Erwachsene nur "schwierig" finden würden. Die Folgen dieser frühkindlichen oder auch späteren "unverdauten" Erfahrungen tragen häufig bei zu heutigen "unverständlichen" Reaktionen. Man kann sich das bildhaft so vorstellen als ob dieses alte Material irgendwo im Gehirn herumliegt und nicht zugänglich ist für das Bewußtsein und für weitere Verarbeitung. Es wird nur immer wieder durch neue Auslöser aktiviert und führt zur heutigen Symptomatik. EMDR bringt den natürlichen Selbstheilungsprozeß wieder in Gang, es löst den Stress.
EMDR bewirkt eine psychische Neuverarbeitung von Erinnerungen, manchmal ohne Zutun des Bewusstseins. Auch bei Phobien und Panik mit ihrer starken körperlichen Komponente kann EMDR helfen. Ebenso können psychosomatische Leiden in Richtung Bewusstwerdung und Lösung/Heilung beeinflusst werden. EMDR nutzt anscheinend körpereigene Mechanismen der Informationsverarbeitung und Heilung.
Und nun zur Methode:
Sie wurde um 1990 herum durch Francine Shapiro, eine amerikanische Psychotherapeutin, entdeckt, ausgearbeitet und an traumatisierten Patienten erprobt. Heute wird sie in vielen Praxen und Kliniken weltweit in der Traumabearbeitung eingesetzt und geschätzt. Es ist die Methode in der Psychotherapie, die am meisten überprüft und ausgewertet wurde.
Kurz zum Vorgehen:
Der Patient konzentriert sich auf eine belastende Erfahrung, während gleichzeitig Augenbewegungen stimuliert werden. Durch die Augenbewegungen wird das Gehirn dazu angeregt, diese Erfahrung neu zu verarbeiten und zu ordnen, neu zu interpretieren im Bewußtsein der erwachsenen Bewältigungsmöglichkeiten. Durch bildgebende Verfahren (PET) weiß man, daß dadurch wirklich die Hirnströme verändert werden. EMDR besteht aber nicht nur aus den Augenbewegungen. Wichtige Zutat ist auch die genaue Erkundung des schwierigen Erlebnisses, z.B. was man über sich selbst in der Situation denkt und fühlt, und wie sich das im Körper anfühlt. Denn meist sind das prägende einschränkende Glaubenssätze. Ebenfalls sehr wichtig ist die Zukunftsvision. Hier wird schon mal erkundet wo es hingehen soll, welche neue Einstellung die alte ablösen soll - ein wichtiger Schritt in allen Therapieformen.
Sie können sich selbst vom Zusammenhang zwischen Augenbewegungen und Gehirnaktivitäten überzeugen, indem Sie einmal versuchen, sich zu erinnern was Sie gestern Mittag gegessen haben. Ihre Augen wandern dabei normalerweise (bei Rechtshändern) nach links. Wenn Sie dann versuchen, sich Ihr Traumhaus vorzustellen, werden die Augen wahrscheinlich nach rechts wandern, weil diese Richtung mit dem "Erfinden" zu tun hat. Anscheinend stimuliert also die Links-Rechts-Bewegung beim EMDR eine neue Lösungsfindung für alte problematische Erinnerungen, oder anders gesagt, alte einschränkende Glaubenssätze sowie körperliche Stressreaktionen werden neu bearbeitet, verändert und an die aktuellen Ressourcen angepaßt. Etwas Ähnliches geschieht wahrscheinlich im Traum, im REM-Schlaf, wo ebenfalls eine Verarbeitung von Erlebtem stattfindet. Auch dabei gibt es diese schnellen Augenbewegungen.
Statt der Augenbewegungen können auch akustische oder taktile Reize verwendet werden, z.B. falls Augenerkrankungen vorliegen. Anscheinend ist es der Rhythmus der Stimulation, der dem Gehirn hilft, ins Gleichgewicht zu kommen. In abgeschwächter Form kann man die positive Wirkung nämlich auch beim Gehen, Trommeln oder Tanzen erleben. Viele Menschen erleben dabei Entlastung und positive Stimulation, z.B. kommt man dabei manchmal auf kreative Ideen.
Hier ein Film zur Technik des EMDR (wingwave ist eine Form des EMDR im Coaching), wobei die gefundene Lösung einer Problematik immer höchst individuell ist, wie man hier sehen kann:
Bitte informieren Sie sich im Internet, falls Sie noch mehr Informationen brauchen. Es ist mir leider verwehrt, auf wissenschaftliche Aussagen zu verweisen; dies würde als unzulässige Werbung eingestuft.